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Biografie
Hedwig Dohm Biografie – Die frühe Radikale aus Deutschland

Eine frühe Theoretikerin des radikalen Feminismus in Deutschland war die Schriftstellerin Hedwig Dohm (1831–1919), geborene Schlesinger. Unter dem Motto „Menschenrechte haben kein Geschlecht“ setzte sie sich für die absolute Gleichstellung von Männern und Frauen im privaten und öffentlichen Recht ein. Sie mochte das zu ihren Lebzeiten übliche Wort „Frauenrechtlerin“ nicht, sondern bezeichnete sich als Radikale. Aus ihrer Feder stammen Novellen, Lustspiele und Romane.

Hedwig Marianne Adelaide Schlesinger kam am 20. September 1831 als viertes uneheliches Kind des jüdischen Tabakfabrikanten Gustav Adolph Gotthold Schlesinger und seiner Lebensgefährtin Henriette Wilhelmine Jülich in Berlin zur Welt. Ihr Vater hieß ursprünglich Echanan Cohen Schlesinger, ließ sich jedoch 1817 in Berlin auf den Namen Gustav Adolph Gotthold Schlesinger evangelisch taufen.

Weil ihre Mutter sie nicht stillen konnte, wurde Hedwig einer Amme übergeben, an der sie als Säugling mehr hing als an ihrer Mutter. Ihre Eltern heirateten erst 1838 nach der Geburt ihres zehnten unehelichen Kindes. Insgesamt zeugten sie 18 Kinder, darunter einmal auch Zwillinge. Von den zahlreichen Kindern sind zwei früh gestorben. 1851 änderte der Vater seinen jüdisch klingenden Familiennamen Schlesinger in Schleh um.

Die stille, versonnene und schüchterne Hedwig und ihre lautstarke, resolute und herrschsüchtige Mutter, zu deren Haushalt eine Kinderfrau und eine Köchin gehörten, blieben sich ein Leben lang fremd. Erst nach langem Zureden durch ein Kindermädchen sagte Hedwig als „großes Mädchen“ mit Herzklopfen erstmals zu ihrer Mutter „Mama“, was dieser jedoch überhaupt nicht auffiel.

Während ihrer Schulzeit gehörte Hedwig zu den Besten ihrer Klasse. Nachdem sie lesen gelernt hatte, schmökerte sie gerne Romane und Klassiker. Im Alter von elf Jahren fasste sie den Entschluss, Dichterin zu werden und reimte Verse für die Schublade. Im Backfischalter gab ihr einmal ein Leutnant im Garten gewaltsam einen Kuss, was sie erschütterte.

Nach dem Verlassen der Schule mit 15 Jahren musste Hedwig verstärkt im Elternhaus mitarbeiten. Sie half bei der großen Wäsche, stopfte Strümpfe, wischte Staub, passte auf kleine Geschwister auf und bestickte einen Teppich mit Blumenmustern. 1849 trotzte sie ihren Eltern den Besuch eines Lehrerinnenseminars ab, das sie erfolgreich absolvierte. 1851 reiste sie mit ihrer Mutter nach Spanien zu ihrem verheirateten ältesten Bruder, der bald darauf starb.

Am 21. März 1853 heiratete Hedwig Schleh den liberalen jüdischen Schriftsteller Ernst Dohm (1819–1883), der eigentlich Elias Levy hieß und als Redakteur des Berliner politisch-satirischen Wochenblatts „Kladderadatsch“ arbeitete. Das Paar hatte fünf Kinder: Hans Ernst (geb. 1854), Gertrude Hedwig Anna (1855), Ida Marie Elisabeth (1856), Marie Pauline Adelheid (1858) und Eva (1860).

Durch ihren Mann kam Hedwig Dohm mit Künstlern und Literaten in Berührung. Ihr Gatte verlor oft beim Glücksspiel und hatte häufig Schulden. Von 1865 bis 1867 arbeitete Hedwig an dem wissenschaftlichen Buch „Die spanische Nationalliteratur in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Nebst den Lebens- und Charakterbildern ihrer klassischen Schriftsteller und ausgewählten Proben in deutscher Übertragung“.

1866 trauerte Hedwig Dohm um ihren an Scharlach gestorbenen einzigen Sohn Hans Ernst. Ende 1869 zog sie für mehrere Monate zu ihrer Schwester Anna nach Rom, weil sie die ständigen Streitereien mit ihrem Mann nicht mehr ertragen konnte. Im Herbst 1870 kehrte sie nach Deutschland zurück und lebte mit ihrer Familie in einer alten Mietwohnung in Berlin.

Zwischen 1872 und 1876 publizierte Hedwig Dohm erste polemische Essays. 1872 erschien ihr Buch „Was die Pastoren von den Frauen denken“. Auslöser hierfür war das Erscheinen zweier Broschüren, in denen zwei Geistliche ihre Ansichten zur Frauenfrage äußerten. In „Der Jesuitismus im Hausstande“ (1873) forderte Hedwig als eine der ersten deutschen Feministinnen öffentlich das Frauenstimmrecht. Die mangelhafte sexuelle Aufklärung der Frauen kritisierte sie in ihrer Schrift „Die wissenschaftliche Emancipation der Frau“ (1874). Darin verlangte sie auch die Zulassung der Frauen zum Medizinstudium. 1876 folgte das Werk „Der Frauen Natur und Recht“.

Hedwig Dohm schrieb auch mehrere Kömödien wie „Vom Stamm der Asra“ (1876), „Der Seelenretter“ (1876), „Ein Schuß ins Schwarze“ (1878) und „Die Ritter vom goldenen Kalb“ (1879). Zusammen mit einem Autor namens F. Brunhold gab sie eine Sammlung von 600 neuen deutschen Gedichten unter dem Titel „Lust und Leid im Liede“ (1879) heraus.

Nach dem Tod ihres Ehemannes Ernst Dohm, der im Februar 1883 an einem organischen Herzfehler starb, kämpfte Hedwig nicht länger nur mit Worten für die Sache der Frauenbewegung. 1888 beteiligte sie sich an der Gründung des „Frauenvereins Reform“. Von 1899 bis 1901 fungierte sie als Beisitzerin dieses Vereins. In ihrem Werk „Die alte Frau“ (1903) schrieb sie: „Untätigkeit ist der Schlaftrunk den man dir, alte Frau, reicht. Trink ihn nicht! Sei etwas! Schaffen ist Freude! Und Freude ist fast Jugend“.

1905 unterschrieb Hedwid Dohm den Aufruf zur Gründung des „Bundes für Mutterschutz und Sexualreform“. 1908 beteiligte sie sich an der Unterschriftensammlung gegen den § 218 und trat für Straffreiheit für Abtreibung ein. In ihrem Buch „Die Suffragettes“ (1913) hieß es: „Den Frauen, die … ihre Naturanlagen entwickeln durften, entwachsen aus dem üblichen weiblichen Raupenzustand die Flügel.“ In „Der Mißbrauch des Todes“ (1917) wandte sie sich gegen den Krieg.

Am 1. Juni 1919 um drei Uhr starb Hedwig Dohm im Alter von 87 Jahren in Berlin an Lungenentzündung. Kurz bevor sie ihre Augen für immer schloss, sagte sie: „Das also war das Leben?“ Ihre Tochter Hedwig Pringsheim-Dohm brachte fünf Kinder zur Welt, darunter das Mädchen Katja, das später als Frau des Schriftstellers Thomas Mann (1875–1955) berühmt wurde.

Diese Biografie stammt aus der Taschenbuchreihe „Superfrauen“ des Verlags Ernst Probst (www.frauenbiografien.de.vu).

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