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Biografie

Helene Stöcker Biografie – Die Pionierin für Mutterschutz und Sozialreform

Als Gründerin des „Bundes für Mutterschutz und Sexualreform“ machte sich die deutsche Frauenrechtlerin, Publizistin und Pazifistin Helene Stöcker (1869–1943) verdient. Außerdem hob sie die „Deutsche Friedensgesellschaft“, den „Verband fortschrittlicher Frauenvereine“, den deutschen „Verein für Frauenstimmrecht“ und die „Internationale der Kriegsgegner“ mit aus der Taufe. Sie setzte sich vehement für eine „neue Ethik“, das Frauenstimmrecht und den Frieden ein.

Hulda Caroline Emilie Helene Stöcker kam am 13. November 1869 in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal) als ältestes von acht Kindern der Eheleute Peter Heinrich Ludwig Stöcker und Hulda Stöcker, geborene Bergmann, zur Welt. Ihr Vater wäre gerne Missionar geworden, betrieb ein Posamentiergeschäft mit Werkstube und verspekulierte durch Grundstückskäufe sein Vermögen. Drei Kinder der Familie sind früh gestorben.

Im frommen Elternhaus von Helene Stöcker wurde jeden Tag eine Hausandacht gehalten, welche die Grundlage ihrer christlichen Ethik legte, die ihr Lebenswerk stark beeinflusste. Der Besuch des Theaters galt in ihrer Umgebung als verpönt.

Nach der Ausbildung zur Lehrerin bei Helene Lange (1848–1930) in Berlin setzte Helene Stöcker bei ihren Eltern ein Studium der Nationalökonomie, Germanistik und Philosophie in Berlin, Glasgow und Bern durch. 1901/1902 promovierte sie in Bern mit der Dissertation „Von Winckelmann bis Wackenroder, zum Kunstverständnis der Romantik“ zum „Doktor der Philosophie“. Mit den Romantikern und ihrer Einstellung zu Liebe und Ehe beschäftigte sie sich auch später immer wieder publizistisch.

Im Alter von 24 Jahren veröffentlichte Helene Stöcker ihren ersten Aufsatz über „Die moderne Frau“, in dem sie die Auffassung vertrat, pekuniäre Unabhängigkeit sei die erste Vorbedingung für jede Art von Freiheit. Außerdem meinte sie, es müsse die Frage gelöst werden, wie die in der Ehe durch Küche und Kinderstube belastete Frau diese Freiheit nicht wieder verliert.

Wenige Jahre später erschien Helene Stöckers Aufsatz „Die Männerbewegung“, in dem sie eine grundsätzlich andere Haltung der Männer gegenüber modernen Frauen forderte. Sie trat für die Anerkennung des Anspruchs der Frauen auf Entwicklung einer freien Persönlichkeit auch innerhalb der Ehe ein. Dieser und andere Aufsätze aus den Jahren 1893 bis 1904 – wie „Umwertung der Werte“ (1897) und „Nietzsches Frauenfeindschaft“ (1901) – erschienen unter dem Titel „Die Liebe und die Frauen“ (1905).

1892 gehörte Helene Stöcker zu den Gründerinnen und Gründern der „Deutschen Friedensgesellschaft“. 1898 beteiligte sie sich an der Gründung des „Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine“, der im Gegensatz zum konservativen „Bund deutscher Frauenvereine“ von Helene Lange stand.

Mit anderen radikalen Frauen der Frauenbewegung – wie Anita Augspurg (1857–1943), Lida Gustava Heymann (1868–1943) und Minna Cauer (1842–1922) – gründete Helene Stöcker 1902 den „Deutschen Verein für Frauenstimmrecht“. Ihre Stimmrechtsbemühungen dauerten bis zum Ersten Weltkrieg.

Zusammen mit dem Historiker und Politiker Ludwig Quidde (1858–1941), dem 1927 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, verurteilte Helene Stö-cker 1902 öffentlich in München den Burenkrieg. Bei dieser Gelegenheit kritisierte sie auch die von den Engländern errichteten Konzentrationslager.

1905 hob Helene Stöcker gemeinsam mit der Politikerin Lily Braun (1865–1916), der Frauenrechtlerin Henriette Fürth (1861–1938), dem Nationalökonom und Soziologen Werner Sombarth (1863–1941) und dem Sozialökonom, Wirtschaftshistoriker und Soziologen Max Weber (1864–1920) in Berlin den „Bund für Mutterschutz und Sexualreform“ aus der Taufe, den sie lange als Vorsitzende leitete. Dieser Bund richtete Heime für unverheiratete Mütter und ihre Kinder ein und forderte die rechtliche Gleichstellung unehelicher Kinder. Außerdem engagierte sich der Bund für die frühzeitige sexuelle Aufklärung von Jugendlichen und für die Abschaffung des Paragraphen 218, der die Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs betraf.

Von 1905 bis 1932 redigierte Helene Stöcker die Zeitschrift „Die neue Generation“ des „Bundes für Mutterschutz und Sexualreform“. Diese Publikation wirkte aufklärend auf allen Gebieten der Sexualmoral. Schon 1908 verlangte Helene Straffreiheit für die Homosexualität, wie sie 1969 im Strafrecht der Bundesrepublik Deutschland verankert worden ist.

Helene Stöcker veröffentlichte auch Artikel in der „Frauenbewegung“, dem Organ des radikalen Flügels der Frauenbewegung. Sie entwickelte die „neue Ethik“ und vertrat die Auffassung, erst wenn beide Geschlechter emanzipiert seien, werde eine Beziehung in „vollkommener Einheit allen Wollens, Fühlens, Denkens möglich“. Dazu sei kein Trauschein nötig, war ihr Standpunkt. Außerdem forderte Helene Stöcker ein neues Familienrecht, Abtreibungsrecht und Recht für das uneheliche Kind gleich dem ehelichen. In ihrem Roman „Liebe“ schlug sich ihre Auffassung von der „neuen Ethik“ nieder. Sie unternahm mehrere Vortragsreisen, auch ins Ausland, sogar nach Rußland.

Weil sie seit 1905 ohne standesamtliche Trauung mit dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Brunold Springer (1873–1931) zusammenlebte, wurde Helene Stöcker 1910 von einigen ihrer Mitarbeiterinnen in der Öffentlichkeit heftig angegriffen. Man erhob gegen sie den Vorwurf, der Kampf für eine Reform der Geschlechtsmoral werde entwertet, wenn man selbst davon profitiere. Die Verbindung mit Springer, die zu Helenes Leidwesen kinderlos blieb, währte bis zum Tod ihres Lebensgefährten.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914–1918) wurde Helene Stöcker, die fest an den Fortschritt der Menschheit und an eine Entwicklung zu höherer Kultur und Sittlichkeit geglaubt hatte, tief erschüttert. 1915 trat sie aus der Kirche aus, weil sie deren Haltung zum Krieg missbilligte. Im selben Jahr nahm sie am „Internationalen Frauen-Friedens-Kongreߓ in Den Haag (Niederlande) teil.

Während des Ersten Weltkrieges veröffentlichte Helene Stöcker verschiedene Antikriegsschriften und schloss sich dem „Bund Neues Vaterland“ an, aus dem sich später die „Liga für Menschenrechte“ entwickelte. Sie erklärte die Friedenssicherung zur Aufgabe der Frauen und forderte, ausgehend von der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, „Nicht mitzuhassen, mitzulieben sind wir da!“ 1919 beteiligte sie sich an der Gründung des „Bundes der Kriegsgegner“ und propagierte die Pflicht zur Kriegsdienstverweigerung.

Ostern 1921 gründete Helene Stöcker in Bilthoven (Niederlande) zusammen mit dem Holländer Cornelis (Kees) Boeke (1884–1966), dem Deutschen Friedrich August Wolf und dem Briten Wilfred Wellock (1879–1972) die „Internationale der Kriegsdienstgegner“. In der Folgezeit nahm sie an zahlreichen Friedenskongressen teil und reiste in Europa und in die USA. In den 1920-er Jahren schloss sie sich der „Liga gegen den Imperialismus“ und der „Gruppe revolutionärer Pazifisten“ an, die die Arbeit für den Frieden mit der sozialen Revolution verbinden wollten. Ab 1925 fungierte sie als Schriftführerin der „Deutschen Friedensgesellschaft“.

1925/1926 setzte sich Helene Stöcker zusammen mit anderen Frauen – wie der Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867–1945) – für einen Volksentscheid ein, der die entschädigungslose Enteignung der Fürsten forderte. Den Anlass dazu bot der Entwurf eines Abfindungsgesetzes für die Hohenzollern, das von der sozialdemokratisch geführten Preußenregierung im Herbst 1925 vorgelegt wurde.

Dem Gesetzentwurf zufolge hätte der 1918 abgedankte Kaiser Wilhelm II. (1859–1941), der bereits eine Jahresrente von 600000 Mark bezog, mit seiner Familie 185 Millionen Mark erhalten sollen. Bei der Novemberrevolution 1918 waren die Vermögen der Fürsten einzogen worden. Die Massenkampagne unter dem Motto „Kein Pfennig den Fürsten“ gipfelte 1926 in einem Volksentscheid, bei dem etwa 14,5 Millionen Deutsche für die entschädigungslose Enteignung stimmten. Trotzdem konnte diese Forderung nicht durchgesetzt werden.

Auch beim Volksbegehren gegen den Bau neuer Panzerkreuzer im Oktober 1928 war Helene Stöcker beteiligt. Sie stand mit an der Spitze des Reichsausschusses für den Volksentscheid gegen den Panzerkreuzerbau, in dem sich die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD) und 32 kleinere Organisationen zusammengeschlossen hatten.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland konnte Helene Stöcker nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Sie emigrierte 1933 zunächst in die Schweiz, 1938 nach England und Schweden und schließlich 1941 über die Sowjetunion in die USA. Soweit es ihr möglich war, engagierte sie sich schriftlich für Emigranten.

Am 24. Februar 1943 starb Helene Stöcker im Alter von 73 Jahren verarmt in New York. Sie hatte an einem schweren Herzleiden und Lungenkrebs gelitten. Ihr umfangreicher schriftlicher Nachlass, zu dem eine in Stockholm verfasste unvollendete Autobiographie gehört, befindet sich im „Swarthmore College Paece Collection“ in Swarthmore (Pennsylvania) in den USA.

Diese Biografie stammt aus der Taschenbuchreihe „Superfrauen“ des Verlags Ernst Probst (www.frauenbiografien.de.vu).

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