Finanzen
Studie: Jede fünfte Rechnung in Europa wird nicht oder zu spät beglichen

Rechnung, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Rechnung, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – In Europa herrscht offenbar eine schlechte Zahlungsmoral: Durchschnittlich jede fünfte Rechnung wird von Unternehmen und Privatkunden zu spät oder gar nicht beglichen, schreibt Deutschlands größter Inkasso-Anbieter EOS in der aktuellen Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“, aus der die „Welt“ zitiert. „Der Anteil der säumigen Zahler steigt – das ist ein Warnsignal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Europa“, sagte Klaus Engberding, der Geschäftsführer der Otto-Tochter. Der Studie zufolge, für die TNS Infratest 3.000 Entscheider in 14 ausgewählten europäischen Ländern befragt hat, kommt es vor allem in Ost- und Südosteuropa regelmäßig zu Verspätungen und Ausfällen.

Am schlechtesten ist die Zahlungsmoral demnach in Griechenland, wo lediglich 72 Prozent der Rechnungen termingerecht bezahlt werden. Auch in Rumänien, Bulgarien und der Slowakei ist der Wert mit 73 Prozent ähnlich gering. Besser sieht es hingegen im Westen Europas aus, vor allem in Deutschland. „Deutsche Kunden sind die zuverlässigsten Zahler in Europa“, stellte Engberding fest. Immerhin 83 Prozent der Firmen und Privatkunden begleichen hierzulande ihre Ausstände innerhalb der gesetzten Fristen. Der am häufigsten genannte Grund für Zahlungsausfälle oder -verzögerungen bei Geschäftskunden sind Liquiditätsengpässe. Schon jeder zweite Unternehmer führt diese Begründung für das Ausbleiben von Zahlungen an. Zweithäufigster Grund sind Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden, darüber hinaus werden die Konjunkturlage, Insolvenzen und mangelnde Professionalität bei der Rechnungsbearbeitung genannt. Bei den Privatkunden wiederum listet die Studie Arbeitslosigkeit als Hauptgrund für eine schlechte Zahlungsmoral auf, gefolgt von einem vorübergehenden Liquiditätsengpass und Überschuldung sowie schlicht Vergesslichkeit. Immerhin 20 Prozent der Privatkunden gestehen zudem Vorsatz als Grund für ausbleibende Zahlungen, fünf Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Für Inkasso-Manager Engberding ist das ein alarmierendes Zeichen. „Das ist Betrug“, sagte er. Betroffen seien davon insbesondere Anbieter mit Sortimenten, deren Produkte sich schnell zu Geld machen ließen, also etwa Technik wie Fernseher oder Smartphones. Reagiert haben Unternehmen auf die schwindende Zahlungsmoral vielfach mit einer Verlängerung der Zahlungsziele. Offenbar lässt die Angst vor Kundenverlusten viele Unternehmen im Umgang mit säumigen Zahlern zögerlich werden. Immerhin 36 Tage hatten Schuldner 2015 Zeit, um Rechnungen zu bezahlen, zeigt die Inkasso-Studie. Das sind zwei Tage mehr als noch ein Jahr zuvor. In den kommenden Monaten dürfte sich die Zahlungsmoral weiter verschlechtern. Die Unternehmen jedenfalls sind pessimistisch. Laut der Studie glaube lediglich ein Viertel der Befragten an eine Verbesserung der Zahlungsmoral. In Westeuropa ist die Skepsis dabei deutlich höher als im Osten.

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