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Forscher vermutet taktische Motive hinter „Juden in der AfD“

Journalisten bei der AfD, über dts Nachrichtenagentur

Foto: Journalisten bei der AfD, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Nach Einschätzung des Rechtspopulismus-Forschers Matthias Quent ist die geplante Vereinigung „Juden in der AfD“ vor allem parteitaktisch motiviert. Die Gruppengründung sei Teil einer „janusköpfigen Strategie“, sagte der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena dem „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe). Einerseits würden antisemitische Karikaturen, Stereotype und Verschwörungstheorien von AfD-Funktionären verbreitet, andererseits werde das Verhältnis zu Juden instrumentalisiert.

„Man nutzt sowohl die Juden in Deutschland als auch den Staat Israel, um antimuslimischen Rassismus mit Verweis auf den islamischen Antisemitismus zu rechtfertigen“, sagte Quent. Dabei hätten „Einstellungsstudien“ gezeigt, dass Antisemitismus in der Wählerschaft der AfD „signifikant weiter verbreitet ist, als bei den anderen Parteien und im Bevölkerungsdurchschnitt“. Aus Quents Sicht sei zudem der „anti-antisemitische Konsens der Berliner Republik“ wiederholt durch „Nazijargon und geschichtsrevanchistische Äußerungen aus den Reihen der AfD“ aufgekündigt worden. Er warnte vor diesem Hintergrund, dass die für die Arbeit der AfD so wichtige „Konstruktion von Sündenböcken“, sofern es gesellschaftlich erfolgversprechend erscheine, jederzeit von Flüchtlingen, Muslimen und anderen Minderheiten auf Juden umschlagen könne. Die Gruppengründung sei daher vor allem „taktisch motiviert“, so Quent. Wer AfD-Politiker wie Alexander Gauland oder Björn Höcke dulde, „kann sich in meinen Augen überhaupt nicht glaubhaft vom Antisemitismus distanzieren“, so Quent.

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