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24/7 Newsticker
Lehrerverbandspräsident: Quereinsteigerpraxis ist gescheitert

Abgeschlossenes Schultor, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Abgeschlossenes Schultor, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hält die Quereinsteiger-Praxis der Bundesländer für komplett gescheitert. Der „Welt“ sagte er: „Die unzureichende Nachqualifizierung von Quereinsteigern ist ein Verbrechen an den Kindern.“ Er sprach in dem Zusammenhang von einem „völligen Versagen“.

„Innerhalb von zwei Wochen Uni-Absolventen, die noch nie etwas von Pädagogik und Didaktik gehört haben, per Crashkurs zur Grundschullehrkraft auszubilden, das ist doch absurd.“ Das zeige, wie gering die notwendige Berufsprofessionalität von der Politik geschätzt werde. Vielerorts würden Quereinsteiger ohne qualitätssichernde Vorgaben auf die Schüler losgelassen. „Dazu kommt, dass es für die Quereinsteiger keine ausreichende Zahl von Ausbildungslehrern gibt.“ In den Ländern, wo der Mangel am größten sei, beispielsweise in Berlin und vielen östlichen Bundesländern, hätten die Ministerien oft gar kein Interesse, dass die Quereinsteiger erst mal ordentlich ausgebildet würden, weil sie dann nicht gleich voll in die Unterrichtsversorgung gesteckt werden könnten, vermutet Meidinger. „Auf mittlere Sicht werden wir in einigen Ländern nicht ohne Quereinsteiger auskommen“, sagt dazu der Präsident der Kultusministerkonferenz, Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), der „Welt“. „Wir sind uns darüber bewusst, dass diese auch entsprechend qualifiziert werden müssen.“ Im kommenden Jahr würden daher alle Länder ihre Bemühungen „weiter verstärken“, Quereinsteiger gezielt fortzubilden und zu qualifizieren. Außerdem müssten ausgebildete Lehrkräfte von Aufgaben entlastet werden, die auch anders Qualifizierte leisten könnten. „Richtig bleibt, dass jede gegebene Unterrichtsstunde besser ist als eine ausgefallene“, so Lorz. Bärbel Bas, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, übt Kritik an der Ausbildung: „Es darf nicht sein, dass immer mehr pädagogische Laien in der Schule eingesetzt werden. Das ist weder im Sinne der Kinder noch der Quereinsteiger selbst, die als Lehrkraft gute Arbeit leisten wollen“, sagte Bas der „Welt“. „Ich halte einen Sieben-Tage-Crashkurs für zu wenig. Hier sollte es zu verbindlichen Standards bei der Aus- und Weiterbildung kommen.“ Auch für den bildungspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Sattelberger, greifen Crashkurse zu kurz: „Wild um sich zu hauen wegen Lehrermangel hilft nicht“, sagte er der „Welt“. „Ohne Quereinsteiger werden wir den Lehrermangel nicht in den Griff bekommen können. Doch selbstverständlich müssen diese umfassend und kontinuierlich pädagogisch ausgebildet werden.“ In Hamburg müsste jeder zehnte Abiturient Lehrerin oder Lehrer werden, um den Bedarf der wachsenden Stadt zu decken, betont Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe. „Wenn es besonders eng kommt, ist es sicherlich besser, in begrenztem Maße auch Quereinsteiger einzusetzen, als Unterricht ausfallen zu lassen“, so der Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien. „Pauschalurteile über Quereinsteiger zu fällen ist falsch“, betont Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU). In ihrem Bundesland etwa seien in diesem Jahr von rund 28.000 Lehrkräften nur 128 Quereinsteiger im Vorbereitungsdienst gewesen. Diese müssten, wie alle anderen ausgebildeten Lehrkräfte auch, ein Referendariat mit Staatsprüfung absolvieren, bevor sie sich auf freie Stellen bewerben.

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