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Mediziner nennt Kritik an Schadstoffgrenzwerten „irritierend“

Luft-Messstation, über dts Nachrichtenagentur

Foto: Luft-Messstation, über dts Nachrichtenagentur

München (dts Nachrichtenagentur) – Der stellvertretender Direktor der Zentrums für Epidemiologie (EPI) am Helmholtz Zentrum München, Holger Schulz, hat die Kritik einer Medizinergruppe an der Forschung über Luftschadstoffe zurückgewiesen. Es sei „irritierend und leichtfertig“ von den Ärzten, die umfangreichen Forschungsergebnisse und hohen wissenschaftlichen Standards „so einfach vom Tisch zu wischen“, sagte Schulz dem Internetportal der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Gruppe hatte in einem Positionspapier die derzeit gültigen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide hinterfragt und behauptet, es gebe „derzeit keine wissenschaftliche Begründung“ dafür.

„Das ist ein sehr naiver Ansatz“

Die Untersuchungen der Wissenschaftler seien viel umfangreicher als von der Medizinergruppe dargestellt, sagte Schulz der FAZ. Sehr wohl würden in den Studien Störfaktoren wie Alkoholkonsum oder Rauchen berücksichtigt, über simple Stadt-Land-Vergleiche oder Korrelationsstudien sei die Wissenschaft längst hinaus. Das Argument der Medizinergruppe, Raucher müssten „nach wenigen Monaten sterben“, wenn Feinstaub tatsächlich so gefährlich wäre wie angenommen, wies Schulz zurück: „Das ist ein sehr naiver Ansatz, dass man nur die Masse berücksichtigt, nicht die Expositionszeit. Hier wird eine kurze Spitzenbelastung, von der man sich gleich darauf wieder erholen kann, mit einer Langzeitbelastung verglichen. Der Ansatz leuchtet nur auf den ersten Blick ein, aber so funktioniert es in der Toxikologie nicht.“

Schulz verwies darauf, dass die Medizinergruppe innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) mit ihren 4.000 Mitgliedern in der Minderheit sei. Schulz sagte weiter, Wissenschaft sei „das Gegenteil von Ideologie“. Ihr gehe es darum, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen, „auch wenn die unbequem ist und womöglich bedeutet, dass wir Mobilität in unseren Städten ganz anders organisieren müssen als bislang“.

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