Ukrainischer Regierungschef
Ukraine wird gegen Russland „erbitterten Widerstand“ leisten

Russische Einheiten in Moskau

Russische Einheiten in Moskau (Archivbild: De Visu / Shutterstock)

Barbarische Angriffe auf Zivilisten

Kiew (dts Nachrichtenagentur) – Der ukrainische Premier Wladimir Groisman hat Russland vor dem Hintergrund der neuen Eskalation in der Ostukraine schwere Vorwürfe gemacht. Groisman sagte „Bild“ in einem Interview: „Ich war in der letzten Woche selbst an der Front und habe erlebt, auf welche barbarische Art Separatisten mithilfe der russischen Armee auf Zivilisten schießen, wie sie schwerste Waffen gegen das ukrainische Volk einsetzen. Andreevka ist ein besonders brutales Beispiel dafür, wie Russland versucht, die Ukraine zu zerstören.“

Zeitpunkt ist kein Zufall

Auf die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der neuen Gewalt und der Amtsübernahme von US-Präsident Trump gibt, sagte Groisman: „Was den Zeitpunkt der Angriffe angeht: Ich glaube da nicht an Zufälle, alles wird von Russland genau vorbereitet und gesteuert.“

„Wir werden erbitterten Widerstand leisten“

Groisman weiter: „Wir müssen mit allem rechnen, wirklich mit allem. Das bedeutet auch: die Ukrainische Armee hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiter entwickelt und wir werden erbitterten Widerstand leisten.“ Vorwürfe, die ukrainische Armee habe die Gewalt provoziert, wies der Premier zurück: „Das ist Unsinn! Wer das sagt, soll in die Ostukraine kommen und sich die Situation ansehen. Tausende ukrainische Familien, darunter hunderte Kinder, waren tagelange ohne Heizung, Strom und Wasser. Sie wurden bombardiert mit Raketen. Unschuldige Zivilisten! Die Wahrheit ist: Wir wollen Frieden, aber Russland will die Ukraine weiter destabilisieren.“

Kommentar

Dass die ukrainische Armee einem offenen Krieg mit Russland auch nach der Aufrüstung der letzten Jahre nicht gewachsen ist, dürfe klar sein. Andererseits ist eine vollständige Invasion der Ukraine durch Russland im Moment auch nicht vorstellbar.

Es geht noch immer um die KrimIch vermute, Russland will den Konflikt offen halten und wieder auf die Agenda setzen, um damit die eigene Verhandlungsposition gegenüber dem Westen zu stärken. Primärziel dürfte immer noch die internationale Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet sein.

Kampf um die Ostukraine

Die Ukraine dagegen dürfte ein erhebliches Interesse haben, die (Pro)russen aus dem Land zu werfen. Immerhin arbeitet man an einer EU- und NATO-Aufnahme. Beides ist mit einem teilweise besetzten Land undenkbar.

Für eine erfolgsversprechende Militäraktion bräuchte die Ukraine allerdings sowohl eine Legitimation (etwa massives russisches Vorrücken) als auch eine Möglichkeit, die Prorussen vom russischen Nachschub abzuschneiden.

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  • 🕝 Michael

    Ich frage mich woher ihr die Informationen habt, dass es sich um (Pro)Russen handelt die das Land besetzen? Ich kann euch versichern, dass das nicht stimmt. Dabei habe ich noch nicht mal ein Problem mit dem Begriff „Pro-Russen“ sondern eher mit der Behauptung, dass diese Menschen das Land besetzen. Das ist ganz großer Unfug!

    Diese Menschen haben schon immer dort gelebt. Sie haben nur eine andere Meinung als die westlichen Ukrainier. Wenn man jetzt nach England auf den Brexit schaut stellt man fest, dass es dort eine ähnliche Situation gibt. Die Engländer wollen raus aus der EU die Schotten nicht. Dort gewährt man den Menschen aber das Recht auf Selbstbestimmung, die Schotten bekommen vermutlich ihr (zweites) Referendum. Warum bekommen die russischstämmigen Ostukrainer dieses Recht nicht? Warum werden alle Abstimmungen innerhalb des Separatisten-Gebiets ins lächerliche gezogen und als erzwungen dargestellt?

    Ich kenne Lugansk sehr genau! Ich mag die Menschen. Sie sind sehr herzlich. Die Bundesregierung sagt, ich darf da nicht hingehen, muss mich in die deutschen Liste eintragen. Man führt keine diplomatischen Beziehungen in die Region. Aber mal ehrlich, es hat auch noch niemand versucht…

    Lugansk hatte es in diesen Konflikt schon immer am schwersten. Von den Ukrainern umzingelt gibt es dort mittlerweile niemanden mehr der durch Schüsse oder Granaten von der Ukrainischen Armee verletzt wurde, oder engste Familienangehörige verloren hat. Es sind hochgebildete Menschen, die trotz dieser Probleme ein großes Interesse an Kunst und Literatur haben. Sie haben keine Waffen, nur wenig zu essen und seit 2014 tröpfelt es nur aus den Wasserhähnen. Es ist dort bitter kalt. Viele haben fast alles in Krieg verloren, haben keine Kleidung für den Winter. Die nächste Hilfslieferung aus Russland kommt erst im März. Wenn jemand erkrankt kann es für ihn das Ende bedeuten. Das Geld reicht nicht für Lebensmittel und eine ärztliche Behandlung.

    Natürlich hat Putin Einfluss auf das „Separatisten-Gebiet“. Natürlich unterstützt er die Separatisten mit Waffen, aber die haben dort schon immer gelebt und wollen ihr Land und Haus verteidigen. Niemand von den Menschen dort würde einlenken. Sie hassen die Ukraine mittlerweile Abgrundtief. Und wenn man sich die Begründungen anhört kommt man echt ins grübeln. Das interessiert in Europa, oder der USA niemanden…

    Ich kann es nicht verstehen, Syrer und Iraker, die unserer Kultur so fremd sind, öffnen wir Tür und Tor, aber Menschen die eigentlich genauso sind wie wir, lassen wir dort verrecken. Hochgebildete Menschen ( Fachkräfte!), die unsere Kultur verstehen und genauso leben. Das ist so bitter! Ich haben keine guten Gedanken mehr über die EU.

    Einen schönen Abend noch….

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